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Über den Wolken
Foto: Christof Stache

Pressefoto Bayern

Fliegender Teppich am Münchner Airport

Zum zehnten Mal gastiert Pressefoto Bayern am Flughafen

München, 27.02.2015

Über den Wolken schweben rund 100.000 Passagiere täglich, deren Reise am Münchner Airport beginnt oder endet. Der Pianist Stefan Aaron bot dabei eine besonders eigenwillige Vorstellung: Er flog am 23. Juli auf einem weißen Teppich zu seinem Konzert ein, während er Klavier spielte (fast unsichtbar gehalten an den Seilen eines Hubschraubers, der nicht im Bild ist). Der Eichenauer Fotograf Christof Stache hat das Spektakel im Bild festgehalten. Sein Foto „Über den Wolken“ wird jetzt zusammen mit weiteren 80 der besten Pressebilder des abgelaufenen Jahres am Münchner Airport gezeigt.

Ausstellung zum zehnten Mal am Münchner Flughafen
Hans-Joachim Bues, Leiter Unternehmenskommunikation Flughafen München, freute sich bei der Eröffnung über diese „erste und einzige Teppichlandung an einem Flughafen weltweit“. Sie zeige, „dass aus dem Verkehrsraum München sehr schnell auch ein Kulturraum werden kann“. Der Kultur Raum zu geben sei Sinn dieser Ausstellung Pressefoto Bayern am Flughafen, der in diesem Jahr gleich Teil eines doppelten Jubiläums sei. Bereits zum 15. Mal zeichnete der BJV im November 2014 die besten Pressefotos aus dem Freistaat aus. Und zum zehnten Mal gastiert die Ausstellung Pressefoto Bayern heuer am Münchner Airport.

Daher werden im Check-in Bereich des Terminals 2 nun nicht nur die besten Bilder aus dem vergangenen Jahr gezeigt. Daneben sind auch die zehn Siegerfotos der Jahre 2005 bis 2014 zu sehen. Sie erinnern daran, welche Ereignisse die Menschen und die Medien im Freistaat am meisten und am nachhaltigsten bewegten.

Grenzüberschreitung beim Tag der Medien in der JVA Landsberg
Zehn Jahre Pressefoto Bayern am Flughafen München sind ein gutes Beispiel dafür, wie wir Verbindung leben“, betonte der Gastgeber. An einem Ort, wo sich viele Menschen begegnen, wo Emotionen eine große Rolle spielten. Sein Unternehmen wolle „ein Stück Verantwortung übernehmen für ein Kulturgut, das bedroht ist, die Pressefotografie. Sie wird im Zeitalter von Handys und Selfies nicht mehr ausreichend gewürdigt.“

Die Ausstellung zeige wie immer ein breites Spektrum, das von der Situation der Asylbewerber (auf dem Siegerfoto) über einen Volkslauf in einem Regensburger Parkhaus bis zur Tischtennisplatte in der Justizvollzugsanstalt Landsberg reiche. Oder vom Brauchtum in Bayern bis zu den Ereignissen in Kiew und auf dem Maidan-Platz.

Bues bemerkte zum Siegerfoto der Kategorie Sport, das eine Tischtennisplatte im leeren Hof der Justizvollzugsanstalt Landsberg zeigt, die zuständigen Stellen hätten mit dem dortigen Medientag eine „Grenzüberschreitung begangen“. Kurz vor dem Haftantritt des ehemaligen Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß war die 106 Jahre alte Einrichtung am 31. März 2014 von 157 Journalisten besucht worden. Hier sei kein öffentliches Interesse zelebriert worden, „sondern Voyeurismus, der in allen von uns ein bisschen steckt“. Er habe diesen Termin als unangenehm empfunden, aber dafür könnten die Bildjournalisten nichts, die diesen Termin der JVA wahrgenommen hätten.

Fotografen sind Piloten der Emotionen
Der BJV-Vorsitzende Michael Busch beschrieb in seiner Rede, was den Flughafen mit der Fotografie verbindet. „Die Sehnsucht nach fernen Ländern, nach anderen Kulturen, nach Neuem. Die Erinnerungen. Das verbundenste Element aber ist ein anderes. Sie erleben hier Geschichten und Dramen, Sie sehen Tragödien, genießen Lustspiele. Und das, obwohl Sie immer nur Ausschnitte aus dem Ganzen sehen“.

Dabei arbeiteten Bildjournalisten als „Piloten der Emotionen. Sie fingen Momente ein, die sonst unwiederbringlich verloren wären. Schließlich handle es sich meist nur um Augenblicke, die schnell vorbei seien. Er forderte die Gäste auf, sich Zeit für die ausgestellten Bilder zu nehmen und sie intensiv zu betrachten. Zeit und Gefühle zu investieren, um damit auch den Fotografen für deren Gespür für den richtigen Augenblick und ihre investierte Zeit zu danken. Denn diese Rolle der Fotografen als Piloten der Emotionen sei bedroht.

Busch: Eine Welt ohne Fotografen ist eine arme Welt
„Viele Verlagshäuser sind der Meinung, dass sie ihre Fotografen nicht mehr benötigen. Lieber werden geknipste Fotos von Pressestellen, von Leserfotografen, von Laien veröffentlicht, weil diese Bilder in der Regel günstiger zu haben sind. Doch sind sie eben oftmals auch von der Qualität her billiger“, kritisierte Busch.

Fotografen würden heute oft despektierlich behandelt, wenn sie ihre erarbeiteten Bilder anböten. Deren Wert werde nicht erkannt. „Es ist fatal, die Zahl der Fotografen auszudünnen. Eine Welt ohne Fotografen wäre eine arme Welt.“ Denn gerade die Fotografen seien auch der Garant für Emotionen, für gefühlte Erlebnisse, für ein bewussteres Wahrnehmen.

Einen Überblick über die Entwicklung des Wettbewerbs und der Ausstellung Pressefoto Bayern in den letzten zehn Jahren gab der Juryvorsitzender Hans-Eberhard Hess. „Wenn Sie die Fotos aus zehn Jahre Pressefoto am Flughafen betrachten, werden sie bemerken, dass auch die Jury dazu gelernt hat“, erklärte er vor den zahlreich erschienenen Gästen. Nicht nur die Fotografen seien ernsthafter geworden. Es sei in den letzten Jahren nicht mehr nur das Bayerische, „das Tümelnde“ heraus kristallisiert worden. (Siehe auch Bericht der Abendschau des Bayerischen Fernsehens vom 27.02.2015, 2:40 Min.)

Wettbewerb will die Kraft der Bilder deutlich machen
Bilder wie das Pressefoto des Jahres 2012 mit dem Titel „Schmidt trifft Ude“ wiesen kabarettistische Züge auf, man spüre „beinahe schon den Ausgang dieser Wahlmisere“. Oder: Das Siegerbild von 2013 „Land unter“, das einen Stadtteil von Deggendorf im brackigen Wasser versunken zeige. Es beschreibe in seiner ganzen Ästhetik einen brisanten und schrecklichen Sachverhalt. „Diese Kraft der Bilder will dieser Wettbewerb verdeutlichen“.

Am Anfang habe man den Wettbewerb veranstaltet, damit die Redakteure in den Verlagen den Wert der Pressebilder besser erkannten. Und diesen mehr Platz in ihren Zeitungen einräumten. „Dort wurden sie oft als Stiefkinder behandelt. Das hat sich inzwischen etwas geändert, was ein Blick in diese Ausstellung zeigt.“ Es seien Bilder, die auch ohne Geschichte etwas zu sagen hätten. „Erst Bilder machen Ereignisse“ – wie es der Slogan des Wettbewerbs beschreibt.

Alle Bilder, alle Termine
Die Ausstellung ist bis Sonntag, 29. März 2014, im Terminal 2, Ebene 04, südlicher Check-in Bereich des Flughafen München, Nordallee 25, 85356 München zu sehen (Lageplan). Nürnberg und Aschaffenburg sind die nächsten Stationen der Ausstellungstour. Weitere Orte und die Termine erfahren Sie jeweils aktuell auf der BJV-Website, dort können Sie auch alle Bilder betrachten und den Katalog durchblättern und runterladen (PDF).

Maria Goblirsch

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