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Passauer Journalisten fordern den Tarif für alle in der PNP
Foto: Maria Goblirsch

BJV-Geschäftsstelle

Mit weißen Ballons gegen weihnachtlichen Geiz

Neue Protestaktion bei der PNP: Nikoläuse fordern Gerechtigkeit

Passau, München, 07.12.2016

Aktualisierung, Montag/Dienstag, 05./06.12.2016
Am Montagabend protestierten einige Kolleginnen und Kollegen als Nikoläuse und als Krampus verkleidet vor dem PNP-Gebäude, berichtet der Passauer Bürgerblick. An einer Betriebsversammlung am Dienstag nahmen rund 65 Kollegen teil, das Thema Tarif wurde dabei nicht angesprochen.

Bericht von der Protestaktion am Samstag, 26.11.2016
„Sie kennen doch sicher Ebenezer Scrooge, die Titelfigur aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens? Den fiesen, grantigen Geizhals, dem es ein Gräuel ist, auch nur einen Cent von seinem Reichtum abzugeben? So einen Geizhals gibt es Passau auch. Es ist eine Frau: Simone Scrooge-Diekmann“, rief der stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Wolfgang Grebenhof den demonstrierenden PNP-lern in der Fußgängerzone zu.

„Seit einem Jahrzehnt werden die Mitarbeiter der PNP nach Strich und Faden verarscht. Und dass die Verlegerin Simone Tucci-Diekmann noch nicht einmal mit den Gewerkschaften BJV und ver.di über einen Haustarif reden will, zeigt die maßlose Arroganz der Geschäftsführung“.

Protest gegen Tarifflucht und Lohndumping
Solche klaren Worte kamen bei den rund 120 redaktionellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Mediengruppe Passauer Neuen Presse (PNP) gut an, die am Samstag um 13 Uhr zur Protestaktion auf dem Platz vor der Stadtgalerie erschienen waren, um lautstark ihren Unmut über zehn Jahre Tarifflucht und Lohndumping zu äußern. 

Der Protest, der in weiße Shirts mit der Aufschrift „Tarif für alle in der PNP!“ gekleideten Journalisten richtet sich gegen ihre Verlegerin Simone Tucci-Diekmann und deren Weigerung, mit den Gewerkschaften BJV und ver.di über einen Haustarif zu verhandeln.

Für zusätzliche Wut sorgte die Nachricht, dass die Unternehmerin zwar im eigenen Haus an jedem Cent spart, auf der anderen Seite aber mit dem Ingolstädter Donaukurier gerade eine neue Zeitung erworben hat – vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamtes.

Seit mehr als zehn Jahren gab es keine Gehaltserhöhung
Seit 2004 arbeiten rund 150 Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen der PNP-Mediengruppe, nach unterschiedlichen Verträgen. Während für die Älteren noch die Nachwirkung des Tarifvertrags gilt, regelt für die Jüngeren – und damit für etwa jeden zweiten – ein Eckpunktepapier das Arbeitsverhältnis. Und das sieht fünf Tage weniger Urlaub, 1000 Euro weniger pro Monat und keine tariflichen Gehaltssteigerungen vor. Andere Mitarbeiter haben noch schlechtere Verträge.

„Eine Zeitung hat die Aufgabe, Missstände in Unternehmen anzuprangern. Wenn wir als Journalisten mitbekommen, dass die Mitarbeiter über Jahre um eine anständige Entlohnung und gute Arbeitsbedingungen betrogen werden, dann würden wir darüber selbstverständlich berichten. Aber wenn das im eigenen Laden passiert, dann ist das plötzlich okay. Dann soll das niemand mitbekommen,“ kritisierte Wolfgang Grebenhof, Vorsitzender der Fachgruppe Print im BJV und stellvertretender DJV-Vorsitzender, das Schweigen der Verlagsleitung auf die mehrfachen Gesprächsangebote der Gewerkschaften.

„Junge Kollegen müssen endlich eine Perspektive haben!“
„Wir brauchen diese Verhandlungen, damit wir endlich Frieden im Betrieb bekommen“, fordert Reinhard Wilhelm, Betriebsrat bei der Donau-Wald-Presse GmbH. Offen werde das nicht in den Redaktionen ausgetragen, aber es herrsche Neid und Missgunst.

Er sehe viele junge Kolleginnen und Kollegen, „die einen tollen Job machen, die unserem Haus wirklich gut tun, gerade was die neuen Medien angeht. Sie müssen endlich auch eine Zukunftsperspektive in der PNP haben und auch ordentlich bezahlt werden!“.

Für unterschiedliche Reaktionen hatte am Dienstag die Ankündigung von Simone Tucci-Diekmann gesorgt, jedem Mitarbeiter 500 Euro auszuzahlen, da es in den letzten Jahren keinen Inflationsausgleich gegeben habe. Diese vermeintliche Großzügigkeit war von manchem als Zahlung eines „Schweigegeldes“ oder Versuch gewertet worden, die Mitarbeiter ruhig zu stellen. Zumindest hielt das Versprechen die PNP-ler nicht davon ab, für ihre Sache auf die Straße zu gehen.

500 Euro für jeden – Almosen oder Schweigegeld?
Verärgert reagierte der stellvertretende DJV-Vorsitzende Wolfgang Grebenhof auf das „Weihnachtsgeld“: „Das ist der Gipfel der Frechheit, dass die Verlegerin zuhause stolz ihren neuen Einkauf des Donaukuriers präsentiert, dann ihren Geldbeutel öffnet und generös ein paar Groschen vom übrigen Wechselgeld an ihre Belegschaft verteilen will“. (Zum Kauf des Donaukuriers durch die PNP siehe auch unsere Pressemitteilung „Soziale Verantwortung statt Shoppingtour“.)

500 Euro – und das nicht einmal für jeden – als Kompensation für zehn Jahre Lohnverzicht sei „ein Schlag ins Gesicht jedes PNP-Mitarbeiters“ Dieses Angebot sei „überheblich und schäbig“, es zeuge von einer unfassbaren Geringschätzung der Leistung, die alle PNP-ler für ihre Zeitung erbrächten.

„Ist Ihnen eigentlich klar, wem sie es verdanken, dass Sie die Kohle haben, um eine Zeitung nach der anderen zu kaufen“, richtete Grebenhof die Frage an die PNP-Verlegerin und verlangte: „Begegnen Sie Ihrer Belegschaft endlich mit Respekt und Wertschätzung und sprechen Sie mit den Gewerkschaften über faire, angemessene Arbeitsbedingungen!“

Die von BJV und ver.di gemeinsam veranstaltete Kundgebung in der Passauer Fußgängerzone endete mit einer symbolischen Aktion: 100 weiße Luftballons stiegen in den Himmel, an Kordeln baumelten bedruckte Postkarten. Wer sie findet, soll sie an die Verlegerin der PNP zurückschicken.

Die Teilnehmer der Protestaktion warten nun auf eine Reaktion der Verlagsleitung. Bleibt diese aus, wollen sie wieder auf die Straße gehen.

Maria Goblirsch

P.S.: Bitte beachten Sie auch die engagierte Berichterstattung anderer Kollegen unter „Externe Links“. Wir bedanken uns für deren Arbeit.  

Aktualisierung 05.12.2016
In aller Frühe protestierten heute einige Kolleginnen und Kollegen heute vor dem PNP-Gebäude als Nikoläuse und als Krampus verkleidet, berichtet der Passauer Bürgerblick.

Aktualisierung, 29.11.2016, 14.30 Uhr
Der Passauer Bürgerblick berichtet: „Zu Wochenbeginn hat Verlegerin Simone Tucci-Diekmann mit Geschäftsführern ein Krisengespräch einberufen: Wie können wir auf Streik reagieren? Ein geplantes Treffen mit Arbeitnehmervertretern hat sie dagegen abgesagt. Sie setzt offenbar auf Abwehr statt Tarifverhandlungen, verschärft die Fronten.

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