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Preisübergabe an Mareike Kürschner durch Markus Hack - Helmut-Stegmann-Preis 2017
Mareike Kürschner nimmt von BJV-Schatzmeister Markus Hack den Sieger-Scheck des Helmut-Stegmann-Preises entgegen
Foto: 
Ulf J. Froitzheim

Helmut-Stegmann-Preis 2017

Beeindruckendes, bedrückendes Debüt

Welt-Auslandsredakteurin Mareike Kürschner für Reportage über Präsident Dutertes Drogenkrieg ausgezeichnet

München, 12.11.2017

„Wenn der Präsident die Killerkommandos schickt“, gehört Mut dazu, über die Getöteten und Gefährdeten zu berichten. Das Subjekt dieser Überschrift, die am 20. Februar auf der Website von Welt N24 erschien, heißt Rodrigo Duterte, und die unerschrockene Reporterin Mareike Kürschner.

Die Absolventin der Axel Springer Akademie arbeitete im Rahmen ihrer Ausbildung in der Redaktion der Welt, als der philippinische Brutalpopulist im Sommer 2016 die Wahl mit dem Versprechen gewann, einen gnadenlosen Krieg gegen die Drogenbanden der Inselrepublik zu führen.

„Drei Tage nach der Wahl stand er in einem Slum in Manila und sagte sinngemäß: Man muss etwas dagegen tun, am besten bringt man sie alle um“, sagt Kürschner. Es sei eigentlich absehbar gewesen, was kommt. Größere mediale Beachtung habe sein blutiger Feldzug gegen Dealer und Abhängige aber erst gefunden, „als sich die Leichen stapelten“.

Während fast alle Augen gen Westen gerichtet waren, wo Donald Trump täglich Schlagzeilenstoff lieferte, schaute Mareike Kürschner nach Fernost. Die Nachwuchsreporterin mit Master-Abschluss in Konfliktforschung vom Londoner King’s College nutzte einen Asien-Urlaub, um ihrer Redaktion besagtes Reportage-Thema schmackhaft zu machen, mit dem kein Chef von sich aus eine Berufsanfängerin beauftragen würde – nach dem Motto: Ich bin doch sowieso in der Region.

So konnte die Berlinerin sechs dienstliche Reisetage für Recherchen in Manila anhängen, wo sie sich nicht schonte: Kürschner begleitete lokale Fotojournalisten an einen Tatort, an dem noch die Leichen mutmaßlicher Dealer am Boden lagen, die gerade erst von verdeckten Ermittlern gezielt erschossen worden waren – angeblich in Notwehr.

Sie besuchte ein Gefängnis und traf Opfer einer blindwütigen Verfolgung, bei der ein bloßer Verdacht oder eine falsche Anschuldigung einem Todesurteil gleichkommen kann, das im Zweifelsfall ohne Gerichtsverfahren an Ort und Stelle von der Polizei exekutiert wird.

Beeindruckend und bedrückend
Heraus kam eine beeindruckende und bedrückende Langstrecke, ein packender Text aus 62 Absätzen, fast 5000 Wörtern, über 30.000 Zeichen, viel zu lang für eine Tageszeitung wie die Welt, aber ein Highlight für die Welt am Sonntag, die für das Debüt der Kollegin als Auslandsreporterin den gebührenden Platz freiräumte. Kürschners Beitrag ist Pflichtlektüre für all jene Nachrichtenredakteure, die den Euphemismus „Sicherheitskräfte“ immer noch ohne Ansehen des Landes als Synonym für „Polizisten“ verwenden.

Nur der ursprüngliche Titel aus der Print-Ausgabe der WamS missfiel Spiegel-Redakteurin Anna Clauß, Jurorin und Laudatorin beim Helmut-Stegmann-Preis 2017: „EINER von 7600.“ Gleich im Einstieg ist ja von drei Erschossenen die Rede.

Aber dafür konnte die Siegerin nichts, die am Freitag in München von BJV-Schatzmeister Markus Hack den symbolischen Scheck über 2500 Euro entgegennahm. Die nichtssagende, inkorrekte Print-Headline ging auf das Konto eines erfahrenen Redaktionsmitglieds, dem in der vom Layout erzwungenen Kürze nichts Besseres einfiel. Online gab es diese typografischen Restriktionen nicht, und so steht der Text hinter der Welt-Paywall unter einer aussagekräftigen Zeile: „Wenn der Präsident die Killerkommandos schickt“.

Kürschner ist übrigens inzwischen festes Redaktionsmitglied in der Außenpolitik und kümmert sich vor allem um Asien.

Ulf J. Froitzheim

Helmut-Stegmann-Preis
Der Helmut-Stegmann-Preis wird jährlich vom Förderkreis der Deutschen Journalistenschule (DJS) ausgeschrieben. Er erinnert an den 1997 verstorbenen Co-Chefredakteur der tz, einen langjährigen Dozenten an der DJS.

Teilnehmen können auch Absolventen anderer Journalistenschulen, etwa der Henri-Nannen-Schule oder der Axel Springer Akademie. Der Text muss während der Ausbildung veröffentlicht worden sein. Das Preisgeld stiftete ursprünglich die Familie Stegmann, seit 2010 der Bayerische Journalisten-Verband.

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