Bayerns Pressefoto des Jahres: Doktor der Herzen
Foto: Wolf Heider-Sawall

Pressefoto Bayern 2017

„Der Einordnung verpflichtet“

Wolf Heider-Sawall gewinnt mit Foto von Karl-Theodor zu Guttenberg den Wettbewerb Pressefoto Bayern 2017

München, 05.12.2017

„Doktor der Herzen“ von dem freien Münchner Fotografen Wolf Heider-Sawall ist Pressefoto des Jahres 2017. Das Siegerbild im Wettbewerb Pressefoto Bayern zeigt Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem ersten von mehreren Auftritten für die CSU im Bundestagswahlkampf. Über 1000 Menschen befanden sich in der überhitzten Stadthalle Kulmbach.

Auf dem symbolträchtigen Foto von Heider-Sawall scheint sich der ehemalige Bundesverteidigungsminister erschöpft den Schweiß von der Stirn zu wischen. „In bewegten Zeiten kann Politik (machen) anstrengend sein“, schreibt die Jury zu dem Bild. Neben dem Pressefoto des Jahres wurden Siegerbilder in sieben weiteren Kategorien gekürt. Eingereicht hatten Bayerns Fotografen heuer insgesamt rund 1000 Fotos.

Wettbewerb jetzt volljährig
Mit 18 Jahren sei der Wettbewerb Pressefoto Bayern nun volljährig, sagte Hörfunkmoderatorin Sabine Prokscha, die den Festakt gemeinsam mit dem Jury-Vorsitzenden Hans-Eberhard Hess moderierte. Und seit vielen Jahren bietet der Bayerische Landtag als Gastgeber der Preisverleihung ein prominentes Forum.

Wertschätzung erfahren
„Wir hier im Landtag wollen, dass unsere Pressefotografen über den Augenblick hinaus wahrgenommen werden, dass ihre Arbeiten anerkannt und geschätzt werden, dass sie Wertschätzung erfahren“, sagte dessen Präsidentin Barbara Stamm. Gleichzeitig machte sie auf Probleme aufmerksam, mit denen die Branche kämpfe: „Von jedem Mobiltelefon aus können heute sehr schnell von nahezu jedem Ort aus Fotos ins Netz gestellt werden – so amateurhaft sie auch sein mögen.“ Doch das scheine vergleichsweise wenige Menschen zu stören.  

„Wahrscheinlich leben wir in Zeiten, in denen auf Professionalität und Qualität nicht mehr so viel Wert gelegt wird“, sagte Stamm. Umso wichtiger sei es ihr, Pressefotografen im Landtag ein Forum für ihre Arbeiten zu bieten.

Bis Weihnachten im Landtag
Die besten 80 Aufnahmen inklusive der Siegerbilder werden bis einschließlich 22. Dezember im Kreuzgang des Maximilianeums zu sehen sein, geöffnet ist die Ausstellung Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 13 Uhr und sonntags im Rahmen von Hausführungen zwischen 13 und 15 Uhr.

Anschließend wird die Ausstellung Pressefoto Bayern 2017 in verschiedenen bayerischen Städten Station machen. Zuletzt gastierte der BJV mit der Ausstellung auch im Goethe-Institut in Rom.

Ungeschminkte Wahrheit?
Er sei dieser Tage über eine Facebook-Seite gestolpert, die ihn bis heute beschäftige, erzählte Michael Busch beim Festakt zur Preisverleihung. Zu lesen war dort, wie der BJV-Vorsitzende zitierte: „Wir zeigen, was echte Pressefotografen nicht zeigen, nämlich die ungeschminkte Wahrheit.“

Zu sehen war laut Busch ein unappetitliches Foto, das – offensichtlich in Afrika – einen Menschen abbildete, der stark verletzt am Boden lag und aus mehreren Wunden blutete. Einordnender Text zum Bild? Fehlanzeige. In Kommentaren sei man dann schnell auf die vermeintliche Wahrheit zu sprechen gekommen. Zwischen Verständnis, Abscheu und purem Rassismus habe sich dort alles gefunden.

Pressefotografen seien – eben deshalb – der Einordnung verpflichtet, betonte der BJV-Vorsitzende. Denn: Die Beliebigkeit eines Bildes werde erst aufgehoben, wenn es einen Kontext gebe. Und gute Fotografen steckten diesen in ein einziges Bild oder komplexe Sachverhalte auch gern in eine Serie. Aber: Immer verantwortungsbewusst für den Gehalt des Bildes, um Fehldeutungen auszuschließen.

Wie verantwortungsbewusste Pressefotografen arbeiten, konnten die Gäste des Festaktes bei der anschließenden Preisverleihung erfahren. In Kurzinterviews erzählten die Gewinner, wie die Fotografien entstanden waren.

Die Gewinner in weiteren sieben Kategorien
Bereits zum dritten Mal in Folge holte Florian Bachmeier den Sieg in der Kategorie Serie (Sonderpreis Leica Camera AG). „Hope Interrupted II“ ist sie betitelt und zeigt Menschen in Lagerhallen auf dem Areal hinter dem Belgrader Hauptbahnhof. Bis zu 3000 gestrandete Flüchtlinge unter anderem aus Pakistan und Afghanistan leben dort. Als Fotografien „gegen das Vergessen“ betitelte die Jury Bachmeiers Arbeit. Diese sind jetzt umso wichtiger, denn: Wie Bachmeier erzählte, müssen die Lagerhallen demnächst geräumt werden, weil sie einem Hotelkomplex weichen sollen.

Mit „Der Bierholer“ gewann Günter Distler die Kategorie Bayern Land & Leute (Sonderpreis Bayernwerk AG). Michael Sturm, ein Kellner aus Mühlhausen, versuchte im August 2017 beim Jura-Volksfest in Neumarkt in der Oberpfalz den Weltrekord im Maßkrug-Tragen aufzustellen. Als das Foto entstand, misslang dies, inzwischen hat Sturm den Weltrekord aber doch noch gepackt, berichtete Distler. Vieles sei in dem Bild eingefangen, etwa Spaß, sportlicher Ehrgeiz und Teamgeist, urteilte die Jury.

„Erschöpfung“ ist das Siegerbild in der Kategorie Tagesaktualität betitelt. Sebastian Widmann fotografierte, als sich CDU-Vorsitzende Angela Merkel und CSU-Vorsitzender Horst Seehofer am 6. Februar in München den Fragen der Presse stellten. Die beiden sehen – kurz nach der Versöhnung – alles andere als glücklich aus. „Eine Bildkomposition, die mit den vielen Parteilogos Raum lässt für Interpretation“, urteilte die Jury.

Bei einer „Stierjagd“ war Georg Barth, Sieger in der Kategorie Umwelt & Energie (Sonderpreis Bayernwerk AG), im Landkreis Erding mit Drohne vor Ort. Die ausgebrochenen Rinder hatten sich in einem Rapsfeld versteckt. Barth machte die Aktion gleich zum zweifachen Helden. Nicht nur, dass er mit seinem Foto beim Wettbewerb Pressefoto Bayern gewann. Auch glückte es erst mit Hilfe seiner Drohne den Einsatzkräften vor Ort, die Tiere im Rapsfeld zu finden und wieder einzufangen.

Sieger in der Kategorie Kultur (Sonderpreis DJV-Bildportal) ist Fotograf Sven Hoppe. Das Bild „Alice im Wunderland“ entstand während einer Fotoprobe im Nationaltheater München. Die Jury würdigte, dass die Fotografie „Theater ganz bei sich“ und eine „illusionistische Fantasiewelt“ zeige.

Karl-Josef Hildenbrand wurde für sein Foto „Abgehoben“ in der Kategorie Sport (Sonderpreis Isarfoto Bothe) geehrt. Es zeigt den deutschen Skispringer Markus Eisenbichler im finnischen Lathi unter der Großschanze beim Aufwärmtraining. Oft seien es die Dinge hinter oder in den Kulissen, die die wahren Geschichten erzählten, heißt es im Juryurteil. Das Bild zeige, das Sport vor allem eines bedeute: viel Arbeit und viel Training.

Den Newcomer Award (Sonderpreis Rotary International) erhielt Corinna Guthknecht für ihre Serie „I like to dance“. Zwei Monate verbrachte die Studentin in Südafrika, im Township fotografierte sie Kinder, die dort zum Ballettunterricht gehen. Die Tanzschule gebe es schon sehr lange und sie biete schlicht die einzige Freizeitbeschäftigung, die die Kinder in den Townships hätten, erzählte Guthknecht. „Wäre es eine Boxschule, würden sie boxen“, fügte sie an. Es handle sich um eine Arbeit, die gewisse Ambivalenzen ausstrahle und scheinbar doch vertraut wirke, lobte die Jury.

Michaela Schneider

Ausstellungstermine Pressefoto Bayern 2017 im Jahr 2018

Termine noch offen: Flughafen München, Regensburg und Würzburg.

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