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Daniel Michel, Fussball.news, erklärt sein Web-Angebot
Diskutierte zweieinhalb Stunden mit den KollegInnen: fussball.news-Betreiber Daniel Michel
Foto: 
Maria Goblirsch

Fachgruppe Online

„Alle drei Wochen gab es einen Faustschlag!“

Daniel Michel, Betreiber des Nachrichtenportals fussball.news, berichtete über seine Erfahrungen

München, 29.06.2017

Die Idee, ein Portal für Fußball-Nachrichten zu gründen, kam Daniel Michel eines Morgens in der U-Bahn. Als er um 6.30 Uhr unterirdisch durch München fuhr, wollte er auf seinem Smartphone die neuesten Nachrichten rund um den Fußball lesen – musste aber feststellen, dass es zu dieser frühen Stunde noch keine im Netz gab. Das ärgerte den Journalisten, der zuvor als Freier für Portale wie Sport1.de und Eurosport.de gearbeitet hat. Der Grund: Die meisten Portale dächten noch zu „zeitungsnah“, sagt Michel (Jahrgang 1981). Bei seiner statistischen Auswertung 2015 kam er zu dem Ergebnis, dass zahlreiche große Portale vor neun Uhr meist nur ein oder zwei Nachrichten online gestellt hatten. „Echte Onliner arbeiten Tag und Nacht und stehen um 5.30 Uhr mit dem Bäcker auf“.

Doch der Onliner sah auch seine Chance: Frei nach dem englischen Sprichwort „The early bird chatches the worm“ machte Michel die Morgenstunde zu seinem Markenzeichen und gründete 2015 die Absolut Fußball GmbH, die unter fussball.news mit der eigenen Vorgabe „die Nr. 1 in Deutschland mit den schnellsten Nachrichten am Morgen“, Hintergrundstücke und Interviews bietet.

Was er seither an Erfahrungen, an Hochs und Tiefs erlebte, schilderte er am Mittwochabend in der BJV-Geschäftsstelle und gab Tipps, wie sich Gründer Rückschläge ersparen können.

„So schlecht ist Lewandowski“ brachte 20.000 Klicks
Die ersten zehn Monate seien „die Hölle“ gewesen, erinnerte er sich. So ziemlich alles, was schieflaufen konnte, sei auch schiefgelaufen. „Nach einem Businessplan hätte ich schon längst zusperren müssen“. Doch mit täglichem Aufstehen um 5.30 Uhr, wenig Schlaf und zehn freien Mitarbeitern habe er es geschafft, seine Abrufzahlen kontinuierlich zu steigern und durch die Einnahmen aus der Online-Werbung mittlerweile schwarze Zahlen zu schreiben.

Heute hat er rund 30.000 Besucher pro Tag auf seinem Portal – so viele wie manche regionale Tageszeitung. fussball.news erreicht 1,5 Millionen Klicks pro Monat. Die magische Zahl von 30.000 Klicks am Tag müsse man schaffen, um Geld (rund 2000 Euro Umsatz) zu verdienen. Denn für Werbevermarkter werde ein Portal erst dann interessant, wenn es auch genügend Abrufe vorweisen könne.

Michel rät daher allen Einsteigern, zunächst eine Fanpage auf Facebook einzurichten, dort „mitspielen“ und mit interessanten News Freunde zu sammeln um sich eine Marke zu schaffen, bevor man das eigentliche Portal gründet. So lasse sich die Durststrecke bis zum Erreichen hoher Klickzahlen deutlich verkürzen.

Originelle News brächten hohe Klickzahlen, sagt der Journalist. So habe er mit der Meldung „So schlecht ist Robert Lewandowski“ auf einen Schlag 20.000 Abrufe geschafft.

„Ihr müsst einfach die Quote hoch treiben“
Ein zweiter Anfängerfehler sei es gewesen, alles selbst machen zu wollen, denn das habe in den ersten sechs Monaten zur absoluten Selbstausbeutung geführt. Besser sei es, sich mit anderen Partnern zusammenzutun.

Auch den moralischen Anspruch, zu Beginn jeden seiner ursprünglich 20 Mitarbeiter „gleich ordentlich bezahlen zu wollen“, habe er zwischenzeitlich aufgeben müssen. Um ordentlich Geld mit einem Portal zu verdienen, gelte es, die Quote hochzutreiben. Mindestens zehn Meldungen am Tag, viele Inhalte, viele Klicks, laute das Credo. So ließen sich gekaufte Online-Artikel aus anderen Medien zu drei eigenen neu formulierten Meldungen aufstückeln, Rund 70 Prozent der News auf fussball.news sind Zweitverwertungen aus regionalen Nachrichten.

Mutig sein bei der Auswahl der Werbevermarkter
Daniel Michel sieht gerade beim Thema Fußball noch „unendlich viele Möglichkeiten“ für Journalisten, die neben ihren handwerklichen Fähigkeiten gut in sozialen Netzwerken vertreten seien und über gute Fremdsprachenkenntnisse verfügten. Wichtig sei es, selbstbewusst und mutig aufzutreten und sich nichts gefallen zu lassen – das gelte auch für Werbevermarkter. Hier sei es sinnvoll, nicht darauf zu warten, bis ein Vermarkter auf einen zukomme. Besser sei es, einzelne direkt anzuschreiben und die eigene Kernmarke attraktiv zu beschreiben.

Freilich geht es mit seinem Projekt nicht immer aufwärts: Es gebe immer wieder Rückschläge, in seiner schlimmsten Zeit gab es „alle drei Wochen einen Faustschlag“, berichtete der Journalist. Wertvolle Tipps gab der Betreiber von fussball.news auch zu Fragen des Webdesigns oder der Server-Nutzung. Auch hier gelte: Besser nicht alles selbst machen wollen, sondern einen Fachmann fragen. Webdesigner seien längst nicht so teuer wie gedacht.

Einen Rat gab Michel den Kolleginnen und Kollegen noch auf den Weg: Nicht perfekt sein wollen, auch einmal einen Fehler zulassen. Inhaltliche Fehler kämen auf dem Portal nahezu nicht vor, wenige Rechtschreibfehler verzeihe er sich und seinen Mitstreitern – und die Netzgemeinde tue das auch. Großes Wunschziel des Münchner Journalisten sei es, einen festen Redakteur und einen Volontär in nicht allzu ferner Zukunft einzustellen.

Maria Goblirsch  

In der Titelgeschichte des BJVreport 2/2017 zum Sportjournalismus (hier als PDF) berichtete Thomas Mrazek – neben anderen Medien – bereits über das Portal fussball.news.

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