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Trotz schwieriger Bedingungen immer mit Leidenschaft bei der Arbeit: Die Radio Z-Redaktionsmitglieder (von links) Syl Glawion, Bernd Pflaum, Manuela Macher, Heike Demmel
Foto: Maria Goblirsch

Fachgruppe Rundfunk

Radio Z: Lokale Leidenschaft mit Kaffeesatz

Redaktionsbesuch bei dem Community-Sender für Nürnberg und die Region

Nürnberg, 05.07.2017

Odai Albatal setzt die Kopfhörer auf und schiebt die Regler am Mischpult nach vorn. Der syrische Journalist, der in seiner Heimat bei einem regionalen Sender arbeitete, hat nun in Nürnberg und bei Radio Z ein Zuhause gefunden. Dort führt er Interviews oder schreibt Beiträge für die Sendung „Borderless Broadcast“, schneidet O-Töne oder bedient die Studiotechnik.

Bei Radio Z können Albatal und andere Flüchtlinge über Erlebtes und ihr schwieriges Leben in Deutschland sprechen und berichten, aber auch ihre Erwartungen, Perspektiven und Wünsche äußern. Zusammen mit den Redakteurinnen und Redakteuren produzieren sie den einstündigen Radiobeitrag „Borderless Broadcast“. Ein Projekt, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird.

Vieles läuft anders beim privaten Radio Z, erfuhren die BJV-Kolleginnen und Kollegen bei einem von der Fachgruppe Rundfunk organisierten Redaktionsbesuch am Dienstagnachmittag. Seit 1995 ist die Redaktion in einem Altbau am Kopernikusplatz in der Nürnberger Südstadt untergekommen, nach etlichen Umbauten und mit viel Einsatz hat es das Team geschafft, auf engstem Raum drei Studios, einen größeren Redaktionsraum und mehrere kleine Büros unterzubringen.

Das Leben pulsiert 24 Stunden lang in der Radio Z-Küche, wo sich die rund 200 ehrenamtlichen Redakteure aus 90 verschiedenen Redaktionen treffen, um zu planen, zu diskutieren oder auch Interviews vorzubereiten. An der Wand hinter einem in die Jahre gekommenen Ledersofa hängen vergrößerte Spendenschecks und gerahmte Auszeichnungen, die die Akteure für ihre ungewöhnlichen Projekte erhalten haben.

Durchgeknallt“ – eine Sendung von Psychiatrie-Erfahrene
Den Überblick über dieses kreative Chaos behält seit 20 Jahren Geschäftsführerin Syl Glawion, die gemeinsam mit Redakteurin Heike Demmel (Koordination), Bernd Pflaum (Musikredaktion) und Manuela Macher (Verwaltung) die Geschickte des werbefreien Senders lenkt. Im September wird Radio Z 30 Jahre alt. Seit 1987 verging kaum ein Jahr, in dem der Verein mit heute 1500 Mitgliedern nicht um sein Existenzrecht und um Lizenzen, Programm-Fördergelder oder Sendegenehmigungen kämpfen musste.

Das liegt auch daran, dass neben einer breit gefächerten Musikauswahl und tagesaktueller Berichterstattung zahlreiche Sendungen von so genannten Randgruppen gemacht werden, erfuhren die Gäste: Wie etwa „Durchgeknallt“, einer Sendung von und über Psychiatrie-Erfahrene, dem Magazin „Radio Handicap“ von Menschen mit Behinderung, oder dem Migrantenmagazin „Z International“ von Menschen aus 14 verschiedenen Ländern und das mehrfach ausgezeichnete Format „Borderless Broadcast“. Begleitet von Musiksendungen wie „Lokale Leidenschaften“ oder „Kaffeesatz“.

Förderung von der BLM nur für einzelne Programme
Radio Z sendet täglich live von 14 bis 2 Uhr auf UKW (95,8 MHz), DAB+, im analogen Kanal und im Internet. Laut Infratest hören stündlich rund 5000 Hörer zu. Die Schwelle zum redaktionellen Einstieg ist niedrig, um möglichst vielen Menschen, egal welcher Herkunft und Bildung, eine Stimme zu geben. Neue Mitarbeiter werden ausgebildet und angeleitet.

Reich werde beim Community-Radio keiner, sagt Syl Glawion. Weder die sieben Teilzeitkräfte, noch die freien Mitarbeiter. Was die Radiomacher verbinde, sei das große Engagement für die gemeinsame Sache und für Prinzipien wie Selbstbestimmung, Interkulturalität und Offenheit gegenüber einer bunten Gesellschaft.

Das komme nicht überall gut an. Vergeblich kämpfe der Vorstand des Vereins bisher für eine finanzielle Strukturförderung als nichtkommerzieller und unabhängiger Bürger-Sender. Das Bayerische Mediengesetz sehe auch 30 Jahre nach der Gründung der ersten Privatradios keine Eigenständigkeit für Community Media vor. Diese würden bei der Förderung gleich behandelt wie ihre privat-kommerziellen Konkurrenten. Eine Änderung des Mediengesetzes scheiterte bisher an der CSU-Mehrheit im Bayerischen Landtag.

Die Finanzierung ist ein Hochseilakt
Das bedeute für Radio Z, erläuterte die Geschäftsführerin, dass es sich zunächst aus den Beiträgen (70 Euro/Jahr) der 1500 Mitglieder finanziert (Verwaltung, Betriebskosten). Für seine zivilgesellschaftlichen Projekte bewirbt es sich bei der EU, dem Bund und unterschiedlichsten Trägern um eine finanzielle Förderung.

Jahr für Jahr reicht Radio Z, wie die Konkurrenten unter den Privatsendern, einzelne Projekte zur Programmförderung bei der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) ein. Über den Programmaustausch mit anderen Community-Sendern füllt sich außerdem das Programmschema nach dem Motto: Wir produzieren das nicht selbst, was andere bereits gut gemacht haben.

Die Finanzierung gleiche oft einem Hochseilakt, aber irgendwie klappe es doch immer wieder, den Sender vor dem wirtschaftlichen Aus zu retten. Was Radio Z brauche, seien noch mehr Mitglieder, die die Idee des bürgernahen Senders mit ihren Beiträgen unterstützen (Näheres dazu auf der Website des Senders).

Eine Sorge weniger habe Radio Z inzwischen, berichtete Syl Glawion: Nachdem eine vorläufige Lizenzierung im April 2017 auslief, sei zumindest die Sendegenehmigung nun für acht Jahre erteilt.

Manche der bunten und bürgeroffenen Sendungen werden in der Staatsregierung eher kritisch gesehen. Umso mehr freute es Glawion und ihr Team, dass der Bayerische Landtag 2016 Radio Z mit dem Bürgerpreis auszeichnete. Gemeinsam mit dem anderen freien bayerischen Sender, dem Münchner Radio Lora, belegte der Nürnberger Sender den dritten Platz.

Maria Goblirsch

Schlagworte:

Rundfunk

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