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Die siebte Runde des BJV-Mentorings ist gestartet – ganz vorne dabei: Projektleiter Wolfgang "Doc" Soergel
Foto: Maria Goblirsch

BJV-Mentoring

Der Nachwuchs sitzt am Lenker des Tandems

Siebte Runde des BJV-Mentoring eröffnet

München, 24.04.2015

Mit zwei Premieren startete das Mentoring-Programm des BJV die siebte Runde: Zum ersten Mal ist mit Constantin Seibt, Redakteur beim Züricher Tagesanzeiger, ein Schweizer Kollege als Mentor im Team. Und: Mit Eva Fischer als Mentorin und Vivian Balzerkiewitz als Mentee (beide Süddeutsche Zeitung) bilden nun auch zwei Bildredakteurinnen ein Tandem.

Ein Jahr lang werden sich sieben Tandems aus erfahrenen Kolleginnen und Kollegen und engagierten Nachwuchsjournalistinnen und -Journalisten über die verschiedensten Aspekte ihres Berufslebens austauschen. Dabei steht nicht das fachliche Können im Vordergrund, sondern die Persönlichkeitsentwicklung und die Ermutigung des Mentees, betonte Dr. Wolfgang Soergel, Initiator und Leiter des BJV- Mentoring am Montag in seiner Einführung.

Die meisten der Mentees gingen mit einem neuen Selbstbewusstsein aus dem Programm nach dem Motto: „Ich weiß jetzt, was ich tatsächlich kann und was ich mir zutraue“. Bildlich gesprochen sitze der Mentee im Tandem vorne und bestimmt Tempo und Richtung durch seine eigenen Erwartungen.

Busch: „Es brennt etwas in ihnen“

Sieben Tandems trafen sich in der BJV-Geschäftsstelle zum Auftakt der aktuellen Runde, ein Team weniger als in den Vorjahren. Sie werden ein Jahr lang zusammen arbeiten. Zuvor „hat man schon einen Kaffee getrunken“, wie es ein Mentee beschrieb, um sich zu beschnuppern und zu sehen, ob die Chemie stimmt. Bei einigen habe es sofort gefunkt, bei anderen habe es etwas länger gedauert, bis der richtige Tandem-Partner gefunden war, berichtete Dr. Wolfgang Soergel, der gemeinsam mit Barbara Deller-Leppert, Thomas Mrazek und Barbara Weidmann-Lainer das BJV-Mentoring betreut.

Der BJV-Vorsitzende Michael Busch sagte, er freue sich über das große Interesse am Mentoring-Programm und auf die spannenden Geschichten, die sich im Laufe der kommenden zwölf Monate entwickeln würden. „Ich wäre gern als Reporter dabei, um darüber zu berichten“, sagte er. Man spüre, dass in den Mentees „etwas brenne“, dass sie unbedingt im Metier arbeiten wollten. Aber auch bei den Mentoren brenne es noch, denn sonst würden diese nicht so viel Engagement und Zeit in das BJV-Mentoring investieren. Dafür dankte Busch den Mentorinnen und Mentorinnen.

Erfolgsgeschichte eines Ex-Tandems in der FAZ-Redaktion
In ihrem Erfolgsbericht schilderten Dr. Ursula Kals (Ex-Mentorin) und Eva Heidenfelder (Ex-Mentee), welche positiven Erfahrungen sie aus dem BJV-Mentoring gewonnen haben. Beide arbeiten heute in der FAZ-Redaktion „Beruf und Chance“ und schreiben auch zusammen Texte – eine „Liebe auf den ersten Blick“, wie es Eva Heidenfelder ausdrückt.

Im Interview mit Barbara Weidmann wies sie darauf hin, wie wichtig es sei, im Tandem auf Augenhöhe miteinander umzugehen und sich vertrauen zu können. Ihr Rat an die neuen Mentees: „Es ist nicht verkehrt, in der Findungsphase zu sagen, wir passen nicht zueinander. Das ist nur vernünftig, weil man nichts von jemandem annimmt, den man nicht leiden kann“. Erst wenige solcher Wechsel hat es in den Vorjahren, in denen der BJV das Mentoring anbietet, gegeben.

Der Mentor sei außerdem nicht dazu da, dem Mentee Entscheidungen abzunehmen oder zu sagen, was zu tun sei – „auch wenn der Mentee zu Beginn nach Feedback giert“. Besser sei es, das Jahr auf sich zukommen zu lassen und nicht zu früh gegenzusteuern. Für Heidenfelder war es im abgelaufenen Jahr entscheidend, sich mit ihrer Mentorin und Kollegin als neutraler Partnerin darüber austauschen zu können, wie man sich strategisch am besten verhält. Aber auch Antworten auf scheinbar banale Fragen wie die nach dem passenden Dress Code zu erhalten.

Sieben Tandems gehen an den Start
Am Anfang steht erst einmal das „Sich Sortieren“ und die Frage, wo sich gerade befindet und wo der Weg künftig hingehen soll. „Das kann es noch nicht gewesen sein“, formulierte es etwa ein Mentee, der bereits erfolgreich journalistisch arbeitet, aber einen Ortswechsel plant und sich auch vom journalistischen Inhalt her in eine neue Richtung aufmachen will.

Sieben Mentees „spiegeln sich dabei in ihrem Mentoren, um die eigene Persönlichkeit weiter zu entwickeln“, wie es Dr. Wolfgang Sörgel ins Bild setzt. Volker Matthies, Redakteur in der Informationsdirektion beim Bayerischen Rundfunk (BR) und Mentee Christian Schiele, fester Freier beim Sender, haben sich bei einem Storytelling-Projekt kennengelernt und steigen nun gemeinsam aufs Tandem.

Mentee Tim-Niklas Kubach aus dem „Franken-Tandem“ arbeitete in einer kommunalen Pressestelle und als Chefredakteur des Fachmagazins für orientalische Wasserpfeifen – weltweit das erste Blatt seiner Art. Leider gibt es dieses Magazin inzwischen nicht mehr. Der heute freie Journalist sucht bei seiner Mentorin Rita Kamm-Schuberth „Schwimmhilfe, um ein neues Ufer zu erreichen“. Die Leiterin des Bildungscampus Nürnberg war zuvor in der Presseabteilung der n-ergie AG in Nürnberg tätig.

Sarah Portner, Journalistin aus München freut sich jeden Morgen darauf, in die Arbeit zu gehen. Sie gibt als Redakteurin bei eurotopics einen Online-Pressespiegel heraus und schafft täglich einen Überblick darüber, was in 28 Ländern aktuell geschieht. Nachmittags und am Wochenende arbeitet sie als Freie, weil ihr „sonst das selber Schreiben und das Fernsehen fehlt“. Das Jonglieren mit vielen Bällen und das Tanzen auf mehreren Hochzeiten falle nicht immer leicht, sagt sie. Jonglierhilfe soll Autor und Trainer Christian Thiele geben, der bereits zum vierten Mal das BJV-Mentoring unterstützt.

„Man sieht noch, wer vom wem lernen kann“

Beim BR arbeitet auch Christine Auerbach, Redakteurin beim BR-Jugendmagazin Puls und Autorin. Sie freut sich darauf, mit Dr. Hilde Stadler eine Fernseh-Kollegin als Mentorin zu haben. Die Redakteurin im Auslandsressort war über Skype zugeschaltet, da sie gerade in Wien für eine Reportage unterwegs war. Die dritte BR-Mentee ist Silke Schmidt-Thrö, feste Freie beim Hörfunk und im Online-Bereich. Sie will ihren Schwerpunkt künftig in der Wissenschaft setzen und nach Frankfurt wechseln. Gemeinsam mit der freien Journalistin und Autorin Julia Groß tritt sie in den nächsten zwölf Monaten die Tandem-Pedale.

„Ich erzähle Geschichten, die man mit Bildern besser als mit Texten illustrieren kann“, beschreibt Vivian Balzerkiewitz ihre Tätigkeit. Seit einem Jahr arbeitet sie als Bildredakteurin bei der Süddeutschen Zeitung und gestaltet dort die neue Wochenendausgabe. Ihre Mentorin Eva Fischer, viele Jahre lang Bildredakteurin beim SZ-Magazin, freut sich auf die kommenden zwölf Monate, die „sicher mehr als ein einseitiges Lernen werden“.

Zum ersten Mal ist mit Constantin Seibt, Buchautor (u.a. „Deadline“, Besprechung in BJVreport 6/2013, S. 35) und Redakteur beim Tagesanzeiger in Zürich, ein Schweizer Kollege als Mentor mit im Team. “Wohin wollen wir? Was wollen wir und was nicht? Und wie zur Hölle machen wir das am klügsten?“, fragt er in seinem Buch „Deadline“ zur neuen Strategie im Journalismus. Sein Mentee Marco Maurer, freier Journalist aus München, habe schon mehr Journalistenpreise als er selbst abgeräumt, sagt Seibt. Man werde noch sehen, wer hier von wem was lernen könne.

Maria Goblirsch

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