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Bleiben optimistisch: Thorsten Vogt, Thomas Mrazek, Jana Wiske und Charly Hilpert (von links)
Foto: Udo Dreier

Bezirksverband Nordbayern-Franken

Sportjournalisten im Abseits?

Kollegen diskutierten über eine wandelnde Sport- und Medienlandschaft

München, Nürnberg, 08.09.2017

Der Sport und auch die Arbeitsbedingungen für Journalisten ändern sich rasant. Ob Sport-immanente Fehlentwicklungen wie etwa beim Doping, aber auch die zunehmende Kommerzialisierung und die fast schon tägliche Dominanz des Fußballs bereiten allen Beteiligten, ob Sportlern, Funktionären, Berichterstattern und letztlich auch dem Publikum Probleme.

Um „am Ball zu bleiben“ hatte der Bezirksverband Franken – Nordbayern zu einer Diskussionsrunde unter dem Titel „Sportjournalismus am Scheideweg?“ in den Nürnberger Presseclub eingeladen. Auf dem Podium diskutierten Dr. Jana Wiske, Redakteurin beim kicker, Charly Hilpert, Moderator und Reporter von „Sport aus Bayern“ beim Bayerischen Fernsehen und Thorsten Vogt, Leiter Medien und Kommunikation bei Brose Bamberg. Thomas Mrazek vom BJV-Pressereferat moderierte das Gespräch.

Fußball verdrängt Randsportarten
„Mir tun die Randsportarten manchmal ein bisschen leid“, äußerte sich BR-Mann Hilpert zu Beginn der Diskussionsrunde und forderte zugleich mehr Eigeninitiative von den entsprechenden Verbänden ein: „Die müssen in die Puschen kommen“.

Auch Jana Wiske vermisst entsprechende Impulse und erklärte: „Viele Sportarten haben sich schon ergeben und akzeptiert, dass Fußball die Nummer 1 in der Berichterstattung ist.“ Ihr Tipp: Verbände sollten „mehr Typen“ herausstellen, wie etwa den Gewichtheber Matthias Steiner, der im Jahr 2008 Olympiasieger wurde: „Der hatte eine Geschichte, auch wenn es eine traurige war.“ Wiskes Tipp gilt freilich auch für Sportjournalisten. Die Zukunft des Metiers sieht Wiske, die im November 2016 mit einer Arbeit zur Live-Berichterstattung in den Sportmedien promovierte, vor allem im Netz.

Vereine werden zu Content-Häusern
Auch die Medienpolitik vieler Vereine stand an diesem Abend in der Kritik: Während früher noch etwa spontan auf dem Trainingsgelände Interviews mit den Sportlern geführt werden konnten, führt heute meist kein Weg an den teils restriktiv arbeitenden Presseabteilungen vorbei.

Wie denn dies denn in der deutschen Basketball-Hauptstadt gehandhabt werde, wollte Thomas Mrazek von Brose Bamberg-Sprecher Thorsten Vogt wissen. Vogt versicherte, dass bei seinem Klub die Journalisten weitestgehend frei agieren können und lobte das gute Verhältnis zu den regionalen Medien.

Weiterhin habe der digitale Wandel dazu geführt, dass Spitzenvereine zunehmend selbst zu Content-Häusern werden, stellten die Teilnehmer fest. Einige Sportler geben gar keine Interviews mehr und äußern sich nur noch mit positiven News über ihre eigenen Social-Media-Kanäle oder die ihrer Vereine. Der FC Bayern München positionierte sich im Februar mit FCBayern.tv sogar selbst als TV-Berichterstatter, um seinen Fans in Dauerschleife genau das zu erzählen, was den eigenen Verein gut in der Öffentlichkeit dastehen lässt (siehe auch BJVreport 2/2017, PDF).

Eine Entwicklung, die problematisch für den klassischen Sportjournalismus sei, meinte Wiske. „Wir werden da nicht mehr gebraucht“, folgerte sie. Fans würden schließlich keine negativen, kritischen Geschichten über ihren Verein erfahren wollen. Ihnen sei nur die Nähe zu den Spielern wichtig. Und die Nähe ist es, was die klassischen Medien verlieren würden.

Mehr TV-Präsenz gewünscht
Über etwas mehr „Nähe“ zum Fernsehen würde sich Thorsten Vogt für seine Sportart freuen. Als Mrazek ihn auf die Rechtesituation im Basketball ansprach, antwortete Vogt: „Schlimm, schlimm, schlimm“. Die Telekom habe sich alles gesichert. „Rein theoretisch könnten 20 Millionen Deutsche (nämlich Telekom-Kunden, die Redaktion) kostenlos online Basketball schauen. Aber wir haben nur 20.000 Zuschauer bei Topspielen“, bedauerte Vogt und erklärte: „Keiner weiß, wann das das gesendet wird. Nur die Basketball-Nerds finden unsere Live-Spiele online. Aber um Sponsoren zu gewinnen, brauchst du unbedingt einen Platz im Fernsehen.“

Hinsichtlich der Übertragungsrechte von Basketball- und Eishockeyspielen zeigte sich BR-Journalist Hilpert zumindest optimistisch: „Die Juristerei ist immer beschäftigt in unserem Haus. Ich denke, es wird Eishockey geben, es wird Basketball geben, aber es braucht seine Zeit.“

Bilderflut in sozialen Netzwerken schadet Profifotografen
Auf einen weiteren Mißstand machte am Ende der Diskussion ein Nürnberger Kollege aufmerksam: Er sei seit 30 Jahren als gelernter Fotograf tätig, die vielfache Verbreitung u.a. von Sportbildern via Twitter sei seiner Meinung nach „eine Katastrophe“. Es sei dadurch zu einem massiven Qualitätsverfall gekommen, der professionell arbeitenden Fotoberichterstattern zu schaffen mache.

Nicole Heupel

Schlagworte:

Sportjournalismus

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