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Am Nikolaustag gab's nur Sieger: Untere Reihe (von links nach rechts): Sebastian Beck, Daniel Karmann; hintere Reihe: Eberhard Hess (stellvertretend für Natalie Neomi Isser), Barbara Stamm, Christof Stache, Michael Busch, Uwe Lein, Karl-Josef Hildenbrand und Florian Bachmeier
Foto: Jim Albright

Pressefoto Bayern 2016

„Warten“ am Stachus gewinnt – die Preisverleihung bei Pressefoto Bayern 2016

Foto von Sachelle Babbar zeigt Schockstarre beim Amoklauf

München , 07.12.2016

Gespenstische Ruhe herrscht in Münchens Fußgängerzone am Stachus, wo sich sonst Menschen tummeln. Schwerbewaffnete Kräfte sichern das Gelände am Karlstor. Es ist der Abend des 22. Juli. Der Abend, an dem der Amoklauf eines Einzelnen eine Großstadt in Schockstarre versetzt.

Das auf den ersten Blick vielleicht lapidar erscheinende Foto zeige mit seinem klaren, grafischen Aufbau das Gefühl, das sich nach dem Amoklauf eines Schülers über ganz München gelegt hatte, lautete das Urteil der Jury. „Trotzdem liegt dieses gefährliche Etwas über allem“, ergänzte Juryvorsitzender Hans-Eberhard Hess bei der Preisverleihung. „Warten“ von Sachelle Babbar wurde jetzt zum Pressefoto Bayern 2016 gekürt.

Es stammt aus einer Langzeitdokumentation des freien Fotografen über politische und soziale Entwicklungen in Deutschland. Babbar wurde in London geboren, lebte längere Zeit in den USA und heute in München.

Die Sieger in den sieben Kategorien
Der BJV richtet den Wettbewerb seit 1999 aus und würdigt damit die Arbeit von Fotojournalisten, die mit ihren Werken Zeitgeschehen festhalten – und gleichzeitig aussagekräftige Dokumente über das aktuelle Tagesgeschehen hinaus schaffen.

In sieben Kategorien wurden Fotografen bei Pressefoto Bayern 2016 ausgezeichnet:

  • Serie, Sonderpreis Leica Camera AG: „Hope interrupted“ von Florian Bachmeier aus Schliersee (Website)
  • Bayern Land & Leute, Sonderpreis Bayernwerk AG: „Herzkammerl“ von Sebastian Beck aus Penzberg
  • Tagesaktualität: „Zugunglück“ von Uwe Lein aus Bad Aibling
  • Umwelt & Energie, Sonderpreis Bayernwerk AG: „Holzlawine“ von Christof Stache aus Eichenau (Website)
  • Kultur, Sonderpreis DJV-Bildportal: „Facebox“ von Daniel Karmann aus Nürnberg (Website)
  • Sport, Sonderpreis Isarfoto Bothe: „Schneespo(r)ts“ von Karl-Josef Hildenbrand aus Kaufbeuren (Website)
  • Nachwuchs, Rotary International: „Schleuserautos“ von Natalie Neomi Isser aus München (Website)

Alle ausgezeichneten Bilder und weitere Informationen finden Sie hier. Eingereicht wurden mehr als 900 Bilder.

Landtagspräsidentin appelliert
Fotografen seien die Chronisten unserer Zeit, sie gäben Grauen und Leid ebenso ein Gesicht wie Freude, Mut und Zuversicht, sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Schirmherrin des Wettbewerbs, bei der Preisverleihung im Münchner Maximilianeum.

Dabei müsse sich ein Fotograf auch immer dessen bewusst sein, dass der Betrachter in die dokumentarische Qualität der Aufnahmen Vertrauen habe. Dass er dem Foto Glauben schenke. Gleichzeitig kritisierte die Landtagspräsidentin: „Leider erleben wir es immer häufiger, dass zugunsten einer besonders hohen Klickzahl oder Auflage die Würde hinten angestellt werde.“

„Nicht alles was möglich ist, muss gezeigt werden“
Stamm forderte entsprechend Sensibilität ein: „Nicht alles was möglich ist, muss gezeigt werden“ – etwa das Bild des Attentäters in selbstherrlicher Pose oder das Foto von Angehörigen, die am gerade erlittenen Verlust verzweifelten. Die Ausstellung Pressefoto Bayern2016 im Kreuzgang des Bayerischen Landtags, die bis einschließlich 22. Dezember zu sehen sein wird, bezeichnete sie als „Forum für die bayerische Qualitätsfotografie“.

Immer schwierigere Lage für professionelle Fotografen
BJV-Vorsitzender Michael Busch machte mit sehr deutlichen Worten auf die schwierige Lage professioneller Fotojournalisten aufmerksam. Fotografen seien zu teuer, sagten Verlagsvertreter.

„Regelrecht idiotensicher zu bedienende Kameras“ gäben selbst Laien – scheinbar – die Möglichkeit, ohne Probleme qualitätsvolle Bilder zu erzeugen. Die Folge? „Billige Bilder beherrschen den Markt“, sagte Busch und hinterfragte gleichzeitig: „Aber sind es die Bilder, die wir haben wollen?“

Aus Sicht der Entscheider stehe „billig für günstig“, doch gehe damit ein Verlust von Qualität wie journalistischer Ausrichtung einher. „Printprodukte und Onlinekanäle, die auf Massenproduktion und billig produzierte Ware setzten, verspielen mit dem Verzicht auf Qualität ihre Glaubwürdigkeit und ihre Ernsthaftigkeit ihrem Auftrag nachkommen zu wollen, zu Gunsten des Renditegedankens leichtfertig. Das ist ein falscher Weg“, kritisierte der Verbandschef.

Pressefoto Bayern 2016 zeige indes Bilder, die auf Basis einer fundierten Ausbildung, gepaart mit dem fotografischen Wissen und der entsprechenden Technik sowie der Beherrschung derselben entstanden seien.

Unterstützt wird der Wettbewerb Pressefoto Bayern 2016 vom Bayerischen Landtag, Ardo-Werbung, der Bayernwerk AG, cewe color, dem Flughafen München. Isarfoto, Kessler Druck + Medien, der Leica Camera AG, Rotary Interational, der WWK und dem DJV Bildportal.

Michaela Schneider

Weitere Informationen
Alle Siegerbilder finden Sie hier zum honorarfreien Download für redaktionelle Zwecke. Im Anhang der Pressemitteilung finden Sie weitere Informationen zu den Fotografen, ihren Fotos und die Begründungen der Jury. Der Katalog zu Pressefoto ist als PDF (84 Seiten, 6 MB) und in blätterbarer Version (benötigt Flash Player) abrufbar – wir würden uns freuen wenn Sie dies Ihren Lesern empfehlen.

 

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