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Eberhard Wolf

Ausgabe 5 / 2013

Raus aus dem Redaktionsstress

Altersteilzeit: Wie frühes Aufhören glücklich machen kann und was man beachten muss

Vor 30 Jahren fing es an: Mit dem Ende des Bleisatzes wurden immer mehr Aufgaben in die Redaktionen verlegt, ohne entsprechende Personalverstärkung. Im Zeitalter des Internet hat sich die Lage verschärft. Die Kolleginnen und Kollegen müssen oft den Online-Auftritt mitbetreuen, obwohl der Aufwand für die Printausgabe gleich bleibt. Wegen sinkender Auflage werden Redaktionen ausgedünnt. Die tatsächliche Arbeitszeit steigt, da eine Kontrolle nicht stattfindet. Ganze * Redaktionen werden wie Schachfiguren durch Deutschland hin- und hergeschoben, um vielgepriesene Synergieeffekte zu erzielen. Die Figuren wollen aber wie Journalisten behandelt werden, also Menschen, die eine öffentliche Aufgabe erfüllen und wissen, wie man qualitativ hochwertige Arbeit leistet. Die Folge: Immer mehr wollen vor dem normalen Rentenbeginn aufhören.

Das Zauberwort heißt „Altersteilzeit". Diese Regelung wird aber weniger genutzt, seit die staatliche Förderung weggefallen ist. Man kann sie jedoch als Grundlage für individuelle Modelle nutzen, denn auf Arbeitsreduzierung gibt es einen Rechtsanspruch. Der BJVreport erläutert auf den nächsten Seiten die Einzelheiten, zeigt Rechenbeispiele, beleuchtet die psychologische Seite und belegt, dass Aufhören wirklich glücklich machen kann.

Vor kaum einer Redaktion macht das Burn-Out-Syndrom halt. Ältere Kollegen sehen keine Perspektive mehr, wollen vorzeitig gehen. Bis 2009 nutzten sie dafür meist die Altersteilzeit, also halbe Arbeit für mehr als das halbe Gehalt. Denn der Staat gab dem Betrieb Geld, wenn für den (teil)ausscheidenden Kollegen eine neue Kraft kam. Daher zeigte man sich beim Altersteilzeitler großzügig, legte drauf. 85 Prozent des Gehalts statt 50 waren keine Seltenheit. Dann wurde die Förderung eingsetellt. Dennoch einigten sich viele Verlage mit den Betroffenen weiter auf eine Reduzierung der Arbeitsleistung, meist auf noch vier verbleibende Tage pro Woche. Die freuten sich, einen Tag mehr „privat" zu sein, und verzichteten auf die rund 20 Prozent Gehalt. Vorteil für den Verlag: Er gab weniger Gehalt, aber der Redakteur leistete oft dieselbe Arbeit wie bisher, nur eben an vier statt fünf Tagen.

Beim Münchner Merkur ist der Betriebsrat sicher, dass die Belegschaft, entgegen früheren Bekundungen, heute für eine Arbeitszeiterfassung wäre. So haben in der Sportredaktion fast alle Kollegen um ein Fünftel reduziert, um eine Neueinstellung zu ermöglichen. Einige der kürzer Tretenden schreiben jetzt auf. Wünsche nach Altersteilzeit sind allerdings selten, denn der Personalstand der Redaktion ist seit Jahren stabil, obwohl in anderen Abteilungen stark abgebaut wurde.

Interesse an Altersteilzeit gibt es auch bei den Nürnberger Nachrichten, ein Sprechtag mit der Deutschen Rentenversicherung war rasch ausgebucht. Für Zahlungen in Sachen Altersteilzeit steht seitens des Verlages ein Budget in nicht genannter Höhe zur Verfügung. Bereit ist der Verlag aber offenbar auch zu anderen Modellen, bei denen der Ausscheidende nicht voll ersetzt werden muss.

...weiterlesen im BJVreport / 2013 Seite 12

von Michael Anger

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