Bestseller-Autor und Selfpublisher-Papst Matthias Matting sprach beim FREItag über das Thema „Bucherfolg“
Foto: Screenshot Michaela Schneider

Fachgruppe Freie

Von Bucherfolgen und zusätzlichem Geld

Die Fachgruppe Freie Journalist*innen konnte für zwei FREItags-Workshops „Selfpublisher-Papst “Matthias Matting und den VG-Wort-Experten Pascal Hesse gewinnen

München, 16.10.2021

Neue Impulse und jede Menge praktische Tipps für den Arbeitsalltag lieferten zwei Experten in der Runde des FREItag 2021 der Fachgruppe freie Journalist*innen im BJV: Bestseller-Autor und „Selfpublisher-Papst“ Matthias Matting (selfpublisherbibel.de) sprach über das Thema „Bucherfolg“; Journalist und VG-Wort-Verwaltungsratsmitglied Pascal Hesse erklärte, wie sich über Verwertungsgesellschaften zusätzliches Geld mit wenig Aufwand verdienen lässt.

Autor von Science-Fiction-Romanen
Der studierte Physiker Matthias Matting verdient heute sein Geld überwiegend als Autor von Science-Fiction-Romanen unter dem Pseudonym Brandon Q. Morris und startete mit der positiven Botschaft in den FREItag: Selfpublishing sei „nie so einfach wie heute gewesen“.

Dienstleister aller Art – Lektoren etwa oder Grafiker fürs Cover – seien verfügbar, Leser*innen seien offen, Verbreitungswege vorhanden, die technischen Hürden würden immer kleiner und selbst der Buchhandel akzeptiere Selfpublishing zunehmend.

Deutschlandweit 70.000 Selfpublisher*innen
2016 landete das erste Selfpublisher-Buch in der Spiegel-Bestseller-Liste, Umsätze wüchsen pro Monat um zehn Prozent. Deutschlandweit gebe es zirka 70.000 Selfpublisher*innen, nur rund 250 Autor*innen könnten allerdings vom Selfpublishing leben. Ein Buch müsse, um tatsächlich Erfolg zu haben, laut Matting eben auch allen Ansprüchen genügen.

Ein Verlagslogo spiele dabei für Leser*innen keine Rolle, wohl aber ein professionelles Lektorat, ein Cover, das zum Genre passt, ein optimaler Klappentext wie auch eine gute Marketing-Strategie. Marktführer auf dem hiesigen E-Book-Markt ist Amazon mit – je nach Quelle - einem Anteil von 40 bis 60 Prozent; die deutsche Tolino-Konkurrenz (Thalia, Weltbild, Hugendubel) hält jedoch immerhin einen Anteil von 30 bis 40 Prozent.

Die „totale Freiheit“ – und auf sich allein gestellt
Vorteile des Selfpublishings gegenüber einer Verlagsveröffentlichung laut dem Autor: die „totale Freiheit“, die Kontrolle über die Buchvermarktung „von A bis Z“, regelmäßiges Geld, höhere Tantiemen und man müsse nicht lang warten, bis das Buch erscheint. Allerdings sei ein Selfpublisher eben auf der anderen Seite auch in jeder Hinsicht auf sich allein gestellt, müsse vorab selbst Geld investieren und sei unterm Strich nicht nur Autor, sondern auch Unternehmer.

„Der Wasserkopf der Verlage fehlt“, sagte Matting. Dadurch könnten Selfpublisher Bücher deutlich günstiger anbieten. Bei einem Verkaufspreis von maximal 4,99 Euro blieben zwei bis drei Euro für den Selfpublisher übrig. Autorenhonorare im Verlag lägen indes bei zirka einem Euro pro Buch. 

Ideal: Mindestens vier Bücher pro Jahr
Idealerweise sollte ein Selfpublisher laut Matting ab vier Bücher pro Jahr schreiben; 20.000 Zeichen – das entspreche 13 Normseiten – wären gut. „Man sollte sich durch den Kopf gehen lassen: Habe ich genug Spaß und Inspiration, eine solche Dosis pro Tag zu Papier zu bringen?“, sagte der Autor.

Matting unternahm einen Sprint durch Genres, blickte auf die „typische“ Leserschaft und zog am Ende mehrere wesentliche Lehren. Am Anfang gehe es nicht ohne ein Preis-Marketing, später sei der Newsletter das zentrale Marketingtool. Wesentlich sei ein gutes Produkt, das zur Zielgruppe passe und dem man anmerke, „dass der Autor das Thema lebt“. Die Website sei wichtigste Visitenkarte.

Dienstleister aller Art – Lektoren etwa oder Grafiker fürs Cover – seien verfügbar, Leser*innen seien offen, Verbreitungswege seien vorhanden, die technischen Hürden würden immer kleiner und selbst der Buchhandel akzeptiere Selfpublishing zunehmend.

VG Wort: Rechte im In- und Ausland
VG-Wort-Experte Pascal Hesse ging im zweiten Workshop noch einer allgemeinen Einführung ins Thema Verwertungsgesellschaften vor allem auch auf Details der VG Wort ein, die so nicht allen Teilnehmer*innen bewusst waren. Im Folgenden ausgewählte Aspekte. So kann etwa, wer im Inland Rechte über die Verwertungsgesellschaften wahrnehmen lässt über die so genannte „Inkasso im Ausland“ seine Rechte auch im Ausland wahrnehmen lassen.

Auch Pressetexte melden
Meldefähig ist, salopp formuliert „alles was mit Wort zu tun hat“. Nicht nur Journalist*innen und Co., sondern etwa auch freie wie feste Mitarbeitende in Agenturen und Pressestellen können eigene Werke wie Pressemeldungen melden – und zwar egal, ob sie als Autor*innen namentlich genannt werden oder nicht. Wichtig ist laut Hesse lediglich, bei einer VG-Wort-Prüfung die Urheberschaft nachweisen zu können.

Online-Texte: Veröffentlichungsjahr spielt keine Rolle
Mit Blick auf online erschienene Werke betonte Hesse vor allem auch: Gemeldet werden können nicht nur Texte, die im Vorjahr erschienen sind, sondern sämtliche Werke, die aktuell online stehen – völlig unabhängig von Veröffentlichungsjahr.

Zuschuss zur Altersvorsorge
Wer das 51. Lebensjahr erreicht, kann zudem über das Autorenförderungswerk 2 der VG Wort einen Zuschuss zur Altersversorgung beantragen als Einmalbetrag von bis zu 7500 Euro. Geschehen muss dies spätestens vor Renteneintritt.

Programm „Neustart Kultur“ weiter geöffnet
Sowohl die VG Wort als auch die VG Bild-Kunst bieten des Weiteren spezielle Stipendien und Förderungen an. Insbesondere auf das VG-Wort-Stipendium aus dem von der Bundesregierung initiierten Programm „Neustart Kultur“ verwies Hesse: Das Portal sei noch geöffnet, man könne sich weiterhin bewerben, weil ein Viertel der Gelder noch nicht abgerufen sei.

Über die FREItage 2021
An insgesamt vier Nachmittagen im Oktober finden je zwei Workshops statt, die Veranstaltungsreihe steht heuer unter dem Motto „Kreativ, kraftvoll, kompetent – Vom Krisen- in den Powermodus“. Am 22. Oktober wird es um 14 Uhr zunächst um „SEO für Journalist*innen – So werden Ihre Inhalte im Netz gefunden“ (Markus Reiter) und ab 15.30 Uhr um „Gendersensibles Schreiben – Gut lesbar mit oder ohne Stern“ gehen (Sigi Lieb).

Der 29. Oktober startet um 14 Uhr mit dem Workshop „Effective Writing – Schnell, flexibel und mit System auf den Punkt kommen“ (Silke Bicker), anschließend geht es um „Instagram-Journalismus – Praktische Tipps fürs Storytelling“ (Selina Bettendorf).

Auch eine Anmeldung zu einzelnen Workshops ist möglich.

Michaela Schneider

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