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BJV-Vorsitzender Michael Busch sprach bei den Münchner Medientagen über den Quereinstieg in den Journalismus.
Foto: Screenshot Michaela Schneider

Aktuell

Chancen für Quereinsteiger und im Onlinejournalismus

Der BJV gibt angehenden Kolleg*innen bei den Münchner Medientagen in Kurzvorträgen Tipps zum Einstieg in die Medienbranche

München, 28.10.2020

„Start into Media“ ist der Aus- und Weiterbildungsbereich der Münchner Medientage überschrieben, erstmals finden diese heuer rein digital statt. „Du willst ‚Was mit Medien‘ machen und suchst noch die richtige Ausbildung oder das richtige Studium für deinen Weg in die Medien? Oder du bist schon Medienschaffende*r und möchtest dich gerne weiterbilden? Dann bist du bei uns genau richtig“, ist im Medientage-Bereich „Start into Media“ zu lesen.

Mit kurzen Webinaren und im direkten Austausch über Zoom unterstützt auch der BJV beim Einstieg in die Medienbranche. Unter der Fragestellung „Haben Quereinsteiger überhaupt noch Chancen?“, sprach der BJV-Vorsitzende Michael Busch über „Wege in den Journalismus“. Thomas Mrazek, Vorsitzender der BJV-Fachgruppe Online-Journalist*innen, warb unter dem Motto „Online findet die Zukunft des Journalismus statt“.

„Einer der Berufe, die von Quereinsteigern leben“
Journalismus sei einer der Berufe, die von Quereinsteigern leben, zeigte sich Michael Busch, Redakteur beim Fränkischen Tag, überzeugt. Als Beispiel führte er juristische Themen in der Berichterstattung an, die entsprechende Expertise brauchten. Ähnlich sehe es zum Beispiel auch im Wissenschaftsjournalismus aus.

„Was kann ich? Was will ich? Wo kann ich reingehen?“, stellte der Verbandschef Fragen in den Raum, die sich Quereinsteiger stellen sollten. Wie steht es um das Schreibtalent? Ist die Stimme audiotauglich?

Vorteil eines Quereinstiegs laut Busch in den Journalismus über eine Printredaktion: Es braucht kaum technische Ausrüstung, die ersten Anschaffungskosten bleiben überschaubar. Doch machten die technischen Entwicklungen heute auch den Einstieg in Audio- oder Videoproduktionen finanziell einfacher.

Kontakte knüpfen im Praktikum
Ein Praktikum über einen Zeitraum von ein bis drei Monaten hält der BJV-Vorsitzende für sinnvoll, um zu schauen, ob sich die eigenen Vorstellungen mit der Realität im Redaktionsalltag decken. Zudem bestehe die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich ein Netzwerk aufzubauen.

Von zu vielen Praktika allerdings, am Ende noch dazu unbezahlt, riet Busch ab. Und was, wenn der Verlag dem Quereinsteiger nach dem Praktikum ein Volontariat anbietet? Der BJV-Vorsitzende erlebte dies seinerzeit selbst, nachdem er bereits sechs Jahre für eine Redaktion als freier Journalist gearbeitet hatte - und er lehnte ab.

„Nach 30 Jahren mumifiziert“
Und weitere Tipps gab Busch den Teilnehmer*innen des Webinars mit auf den Weg: Klinken putzen, sich selbst vermarkten, aktiv nach Themen suchen und diese anbieten, sich auf seine Stärken konzentrieren, authentisch bleiben sowie Aufmerksamkeit erregen und zeigen „dass Sie auf diesem Markt sind und bleiben wollen“. Wer noch keine Marke sei, aber da sitze und darauf warte, dass Redaktionen auf einen zukämen, werde „nach 30 Jahren mumifiziert aus der Küche getragen“, spitzte er die Bedeutung des Eigenmarketings zu.

„Online findet die Zukunft des Journalismus statt“
„Online findet die Zukunft des Journalismus statt“, ist Thomas Mrazek überzeugt – und dürfte wissen, wovon er spricht, denn der Vorsitzende der Fachgruppe Onlinejournalismus beschäftigt sich damit seit über zwei Jahrzehnten. „In kaum einem Berufsfeld eröffnen sich derzeit so viele Chancen, etwas Neues auszuprobieren und seine Fähigkeiten einzusetzen“, sagte er im Webinar.

Bei jedem Vorstellungsgespräch werde man heute gefragt: „Was machen Sie online?“, betonte der freie Journalist, BJV-Pressereferent und Dozent aus München. Angehende Journalist*innen sollten wissen, wie Gleichaltrige online tickten, wie sie Nachrichten wahrnähmen und wie sie sich über Kanäle wie Instagram oder TikTok informierten.

Von den Problemen der Medienbranche
Gleichzeitig machte der Online-Experte keinen Hehl daraus, dass die Medienbranche mit Problemen kämpfe: Nutzer*innen sind nicht mehr so treu wie früher, Anzeigen und damit einher gehend Einnahme brechen – noch verschärft durch die Coronapandemie – weg, Journalist*innen erfahren selbst Hassrede und sind gerade im Internet im Kampf gegen die Verbreitung von Falschnachrichten gefordert. Gleichzeitig sieht Mrazek hier auch wieder Chancen: „Ich bin überzeugt, dass wir dafür viele junge Leute brauchen werden.“

„Was Sie können müssen: Soziale Netzwerke wirklich gut zu beherrschen“, gab er zudem mit auf den weg und mahnte: „Sie sollten selbst sehr ethisch handeln, wenn Sie sich in sozialen Netzwerken bewegen.“ Twitter, wenn auch in Deutschland nur von zwei Millionen Menschen mehr oder weniger aktiv genutzt, benannte er als „für Journalist*innen mitunter sehr wichtig“ und fügt hinzu: Da sei mehr drin als Tweets des amerikanischen Präsidenten.

„Zeigen Sie, dass Sie recherchieren können“
Für erste Bewerbungsgespräche in Verlagen gab er noch mit auf den Weg: „Informieren Sie sich gut über das Medium, bei dem Sie arbeiten möchten. Zeigen Sie, dass Sie recherchieren können.“ Und was braucht es laut Mrazek sonst noch, um als Onlinejournalist zu arbeiten? Interesse, Spaß an der Sache, Talent, Mut, Teamgeist und Kreativität.

Zwar schaltete sich bei beiden Webinaren jeweils nur eine Hand voll Teilnehmer*innen zu. Die BJV-Hochschulbeauftragte Anette Kolb war trotzdem zufrieden: „Die Leute, die sich einloggen, scheinen interessiert und vor allem auch informiert zu sein.“ So diskutierte eine der Teilnehmerinnen etwa mit Thomas Mrazek über den ständigen Spagat zwischen einem journalistischen Kodex und der Verlagsforderung nach vielen Klicks sowie hohen Reichweiten.

Nächste Webinare: Investigative Recherche und Fakten checken
Am Donnerstag, 29. Oktober, stehen noch einmal Webinare mit Live-Chats auf dem BJV-Programm bei „Start into Media“: Um 10 Uhr wird Jonas Miller, stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe Junge Journalist*innen im BJV, unter dem Stichwort „Im Trüben fischen“ über investigative Recherche sprechen. Miller arbeitet als Nachrichtenjournalist und Reporter für den Bayerischen Rundfunk. Er recherchiert zu sozialen Bewegungen, Corona-Leugnern, Innerer Sicherheit oder auch Terrorismus. Sein Spezialthema sind rechtsextreme Strukturen, deren Agitation und ihre Netzwerke.

Um 12 Uhr wird Bernd Oswald, Mitglied des Faktenfuchs-Teams bei BR24und Journalistentrainer, im Auftrag des BJV unter dem Motto „Was ist echt und was ist Fake?“ über den Einstieg ins Fact Checking sprechen.

Um teilzunehmen brauchen Interessierte kein Messeticket, die „Start into Media“-Angebote sind Teil der kostenlosen Medientage-Expo. Allerdings ist für den kostenfreien Zugang vorab eine Anmeldung nötig.  

Michaela Schneider

Weitere BJV-Webinare bei Start into Media“ auf den Medientagen München

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