Eine Kuh ist auf jedem Cover der MUH abgebildet, hier die #43 Winter 2021/2022 – die komplette Titelseite finden Sie auf der MUH-Facebook-Seite: bjvlink.de/muh-winter
Foto: Screenshot Thomas Mrazek von der MUH-Facebook-Seite

Fachgruppe Freie

„Möglichst vui Leut ansprechen!“

Josef Winkler erzählt freien Journalist*innen, wie er die Zeitschrift MUH am Leben erhält

München, 22.03.2022

Dem Mann auf der Couch in seinem „Wohn-Spiel-Arbeitszimmer“ gelang es an diesem Montagabend, 20 Journalist*innen bestens zu unterhalten und zu informieren. Kein leichtes Unterfangen in dieser Zeit.

Die Rede ist von Josef Winkler, dem redaktionellen Kopf der MUH, der Zeitschrift für „Bayerische Aspekte“. Winkler hatte sich per Zoom von seinem Bauernhof im oberbayerischen Palling, zugeschaltet. Dort lebt er mit seiner vierköpfigen Familie und allerhand Tieren.

Die Fachgruppe Freie Journalist*innen lud Winkler für ihre Reihe „BJV-FREIstunde – Erfolgsprojekte: Frischer Wind im Journalismus“ ein. Gesine Jordan aus dem Fachgruppen-Vorstand leitete die Diskussion.

MUH möchte ein Magazin sein für bayerisches Wesen und Unwesen, bayerische Kulturen und Unkulturen, Gemütlichkeit und Ungemütlichkeiten“ – so beschreiben sie sich auf der Homepage des Magazins, das LaBrassBanda-Gründer Stefan Dettl zusammen mit Ex-Springer-Marketing-Frau Nicole Kling 2011 gründete. Und als Redakteur für das Ganze wurde einst Josef Winkler gewonnen. Der hatte damals schon 15 Redakteursjahre beim Fachmagazin Musikexpress auf dem Buckel, just zu diesem Zeitpunkt stand für die Redaktion der Umzug von München nach Berlin an. Noch heute schreibt er Kolumnen dort.

„Von der Hand in den Mund …“
Urbayer Winkler (geboren 1972 in Trostberg) entschied sich jedoch für die Heimat. Und es ging gut los mit der MUH, gleich mit drei renommierten Preisen wurde die Zeitschrift 2011 und 2012 ausgezeichnet. Darunter der Bayerische Print Medienpreis. Winkler und seine Mitstreiter*innen waren stolz. Doch zugleich machte er auf ein Manko aufmerksam, welches die nun schon elfjährige Geschichte des Blatts dauerhaft begleitet: nur einer der Preise war dotiert. Und am Geld hat’s halt immer gemangelt.

In seinen Editorials teilt er diesen Missstand den Leser*innen öfters offen und charmant mit. „Wir haben von Anfang dahingekrebst, mit ganz kleinen Honoraren“, sagt Winkler, der neben Nicole Kling praktisch der einzige Angestellte ist. Über Jahre lebte man „von der Hand in den Mund“. Geschäftsführerin Kling kümmert sich um’s Geschäftliche, ob Marketing, Vertrieb oder Steuersachen – Themen, die dem Journalisten erklärtermaßen irgendwie unangenehm sind.

„Aber wer ist denn Euer Leser?“, wollte Moderatorin Jordan dann schon von Winkler wissen. „Wir wollen möglichst vui Leut ansprechen“, anwortete er, von Zielgruppen hält er nichts. Dann spricht er kurz betont Hochdeutsch: „Das Segment der Zielgruppen der 14- bis 29-Jährigen“ sei ihm beim Musikexpress „furchtbar auf den Keks gegangen“.

Die MUH vor dem Aus
Im September 2017 waren die erschöpften MUH-ler*innen allerdings kurz davor mit der Winterausgabe das letzte Heft drucken zu lassen. „Muss ich mich jetzt im Editorial verabschieden?“, fürchtete Winkler. Binnen zwei Tagen gelang es jedoch über eine Kooperation mit dem Münchner oekom Verlag, das Ende des Blattes zu verhindern. Und dann kam Corona. Bei einer Auflage von 12.000 Exemplaren, habe man 4000 Abonnenten, an den Verkaufsstellen, auch an Bahnhöfen und Flughäfen im gesamten Bundesgebiet werden rund 3000 bis 4000 Hefte verkauft. Während der Pandemie stockte der Verkauf allerdings.

Erfolgreiches Crowdfunding
Zum zehnjährigen Jubiläum starteten die MUH-ler*innen dann im Sommer 2021 ein Crowdfunding mit dem Motto: „Bayern braucht die MUH. Und iatz kimmst Du!“ (siehe Link auf die sehenswerte Kampagne). Rund 50.000 Euro zahlten die treuen MUH-Fans ein. Damit schwimme man freilich nicht im Geld, erläuterte der MUH-Macher, „Wir san praktisch bei Null“. Das Projekt steht dem Vernehmen nach jetzt auf einer gesunden Basis.

Von den Kolleg*innen kamen Fragen und Anregungen: Warum man nicht mehr auf Social Media mache? Ob es sich nicht lohnen könne, Veranstaltungen mit der guten Marke MUH anzubieten? Winkler weiß die Vorschläge zu schätzen, schränkt aber ein, dass über die Sozialen Medien kaum Leser*innen zu gewinnen seien; auch dass man Events veranstalte, höre sich nicht schlecht an – aber: „Mir san zwoa Leut, die das Heft machen“, sagt der 49-Jährige.

Im aktuellen Heft, welches am 25. März erscheint, sind rund 40 MUH-Mitstreiter*innen beteiligt, rund 20 Autor*innen, vier, fünf Kolumnist*innen, Fotograf*innen und Illustrator*innen – alle redaktionellen Fäden hat Winkler in der Hand. Für Themenvorschläge sei man offen, wobei der Blattmacher einschränkt: „Mir kennen halt ned viel zahlen“.

Ein schönerer Job als die MUH? Gibt's ned!
Trotzdem ist er optimistisch: „Wenn wir weiterhin Papier kriegen“, sei alles okay; dass man expandieren könne, sieht er indes nicht. Grimmig schaut er nur einmal an diesem Abend: Kein Verständnis habe er für Menschen, die ein gelesenes Exemplar seiner Zeitschrift im Papierkorb entsorgen. Zum Abschluss fragt Gesine Jordan Winkler: „Erhalten Sie die MUH oder erhält die MUH Sie?“ Winkler antwortet abgefeimt: „Wir klammern uns aneinander“. Einen schöneren Job könne er sich nicht vorstellen. Auch wenn es manchmal in Selbstausbeutung ausarte.

Thomas Mrazek

MUH im Netz
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MUH
erscheint vier Mal jährlich mit rund 100 Seiten, das Einzelheft kostet 8 Euro. Die aktuelle Ausgabe, das Heft #44, die Frühjahres-Ausgabe 2022, ist seit 25. März im Handel.

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